Vom Funktionieren zurück zu mir
Einblicke in einen Coaching-Prozess
Ein Coaching-Prozess ist ein sehr persönlicher Weg. Um Ihnen die Entscheidung für eine Begleitung zu erleichtern, beschreibe ich hier beispielhaft einen möglichen Verlauf.
1. Den ersten Schritt wagen
Die Klientin meldet sich bei mir, weil sie sich seit langem in einer Spirale aus Anforderungen gefangen fühlt. Sie beschreibt ein Gefühl des Erdrücktseins von den Erwartungen anderer. Sie funktioniere nur noch und selbst schöne Momente in der Freizeit lösen keine Freude mehr in ihr aus.
In diesem ersten Gespräch am Telefon klären wir die organisatorischen Fragen wie Ort und Kosten, aber vor allem nehmen wir uns Zeit für ihre Bedenken. Sie berichtet, dass sie bisher noch keine Berührungspunkte mit Coaching hatte und Angst habe, sie würde mit ihrem Thema "übertreiben". Gleichzeitig würde sie aber auch spüren, dass es sie sehr belastet und so nicht weitergehen kann. Da viele meiner Klient*innen von einem ähnlichen Gefühl zu Beginn des Coaching-Prozesses berichten, konnte ich ihr versichern, dass es immer einen guten Grund gibt für unsere Sorgen und Ängste und wir diesen Gefühlen vertrauen dürfen. Wir konnten außerdem besprechen, dass ihr Anliegen sehr gut in einem Coaching-Prozess bearbeitet werden kann und sie recht schnell erste positive Veränderungen spüren wird.
Das Ergebnis
Am Ende des Telefonats gibt sie mir die schöne Rückmeldung: Allein die Entscheidung, den Schritt zu gehen und sich im Telefongespräch mit mir gut aufgehoben und verstanden zu fühlen, habe bereits eine erste spürbare Erleichterung bewirkt.
2. Den Raum öffnen und sortieren
Wir treffen uns eine Woche später für 60 Minuten. Hier geht es primär darum, dass die Klientin meine Arbeitsweise kennenlernt und wir tiefer in ihr Anliegen eintauchen.
Die Klientin hat Raum, ihre Situation, ihr Anliegen, ihre Sorgen und ihre Ängste genauer darzulegen. Allein durch das Erzählen und gezielt ausgewählte Coaching-Fragen beginnt ein inneres Sortieren. Wir nehmen außerdem ein erstes Ziel in den Blick: 'Ich bin wieder mehr Ich: gelassener, positiver und nehme mir bewusst Zeit für mich.'
Das Ergebnis
Mithilfe einer Übung gelingt es, dass die Klientin ihren Ressourcen näher kommt und mit einer ersten kleinen Idee für eine Veränderung nach Hause gehen kann. Und mit dem Gefühl, nicht mehr ganz so festzustecken. Die Klientin fühlt sich auch am Ende des ersten persönlichen Gesprächs weiterhin gut aufgehoben und wir vereinbaren einen weiteren Termin in 2 Wochen.
3. Innere Bilder als sichere Basis
Wir arbeiten nun in 90-Minuten-Einheiten, um nachhaltiger in die Tiefe gehen zu können. Da die Klientin beschreibt, wie schnell sie im Alltag aus dem Gleichgewicht gerät, möchte ich zunächst durch die Arbeit mit Bildern eine sichere Basis schaffen.
Bilder haben den Vorteil, dass sie direkt auf der Bedürfnisebene ansetzen; oft dort, wo uns am Anfang noch die Worte fehlen. Wir erarbeiten eine innere 'Haltung', die ihr Sicherheit gibt.
Das Ergebnis
Sie geht deutlich gestärkt und mit einem Gefühl der Zuversicht aus dem Gespräch. Zwischen den Terminen bleiben wir per E-Mail in Kontakt. Meine Impulse zur 'Halbzeit' helfen ihr, die erarbeitete Haltung im Alltag lebendig zu halten.
4. Klarheit durch das Systembrett
Um eine Veränderung wirklich zulassen zu können, müssen wir verstehen, was uns blockiert. Wir nutzen das Systembrett, um Faktoren wie Ängste, Verhaltensmuster und Erwartungen sichtbar zu machen.
Die Erkenntnis: Aus der Vogelperspektive betrachtet die Klientin ihre Situation mit mehr Distanz. Sie erkennt plötzlich, dass eine tiefe Angst, nicht dazuzugehören, wie ein riesiger Fels vor ihr steht.
Das Ergebnis
Es hilft ihr zu verstehen, dass es oft gar nicht die Erwartungen der anderen sind, die sie ständig an ihre Grenzen treiben, sondern ihre eigene Angst. Dieses Verstehen mindert das Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein. Es entstehen Ideen, was sie in belastenden Situationen mal anders versuchen möchte. Anstelle von Hilflosigkeit und gelähmt sein stehen jetzt Motivation und Neugierde. Die Klientin beendet unser Gespräch mit dem Satz: Ich habe Lust, es mal anders zu probieren.
5. Versöhnung mit alten Glaubenssätzen
Wir schauen uns die Angst, nicht dazuzugehören, genauer an und versuchen besser zu verstehen, wo sie herkommt. Dabei stoßen wir auf ein Ereignis in ihrer Jugend, an dem dieses Gefühl zum ersten Mal da war.
Wir identifizieren den negativen Glaubenssatz, der sie seit vielen Jahren begleitet. In einer behutsamen Arbeit gelingt es uns, eine Art Versöhnung mit diesem Satz zu schaffen. Obwohl wir durch ein Chaos von Gefühlen gehen, steht am Ende eine tiefe Erleichterung.
Das Ergebnis
'Es ist, als ob mir jemand einen schweren Stein von der Brust genommen hätte', sagt meine Klientin. Wir formulieren einen neuen, hilfreichen Satz, der nun nach und nach ankommen und ihr Handeln, Fühlen und Denken begleiten darf.
6. Mit der Angst arbeiten
Die Klientin berichtet von ersten Erfolgen, aber auch von Situationen, in denen sie wieder zweifelt. Es zeigt sich eine neue Facette: Es gibt noch eine andere Angst, die sie immer wieder unsicher sein lässt, nämlich die Angst, zu versagen.
Durch die Methode der Externalisierung geben wir dieser Angst eine Gestalt, einen Namen und eine Stimme. Die Angst ist nun nicht mehr 'in' ihr und fest mit ihr verwoben, sondern sitzt ihr quasi gegenüber. Diese Distanz hilft dabei herauszuarbeiten, was die Angst ihr eigentlich sagen will und wovor sie meine Klientin zu schützen versucht. Gemeinsam entwickeln wir eine Strategie, mit der Angst umzugehen, um in Momenten der gefühlten Hilflosigkeit wieder die Kontrolle zu gewinnen und sich handlungsfähig zu fühlen.
Das Ergebnis
Nach einem längeren Abstand von vier Wochen sehen wir uns wieder und die Klientin berichtet von einer spürbaren Veränderung: Sie ist sicherer im Alltag, empfindet mehr Zufriedenheit und wieder echte Freude. In einem Abschlusstermin reflektieren wir ihre Erfolge und machen ihre Ressourcen noch bewusster nutzbar. Sogar als sie sich ein halbes Jahr später wegen einer neuen, verunsichernden Situation meldet, reicht eine einzige Sitzung aus. Sie merkt: Herausforderungen kommen immer wieder, aber sie findet nun viel schneller und leichter aus eigener Kraft in ihre Balance zurück. Sie meldet auch zurück, dass ihr 'Kraft-Bild' und der erarbeitete Leitsatz aus dem ersten Gespräch ihr dabei nach wie vor sehr hilfreich sind.
Ihr eigener Weg
Dieses Fallbeispiel soll die systemische Arbeitsweise für Sie greifbar machen. Bitte bedenken Sie jedoch: Jeder Coaching-Prozess ist so individuell wie der Mensch, der ihn geht. Haben Sie Fragen zu meiner Arbeitsweise oder möchten Sie in Ruhe klären, ob Ihr Anliegen bei mir richtig aufgehoben ist? Schreiben Sie mir gerne eine Nachricht oder vereinbaren Sie direkt einen Termin für ein kurzes, unverbindliches Telefonat.